Hamburger Kunsthalle,„Die absurde Schönheit des Raumes“, 04.Sep 2020 – 07.März 2021

 

Die mehrteiligen Wandinstallationen, die Dominik Halmer als Antwort auf die architektonische Situation der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle entwickelt hat, verweisen auf den Moment der Bildschaffung im Atelier. Die geformten Leinwände, die sich von den am Boden stehenden Holzplatten herauszulösen scheinen, suggerieren einen initialen Bewegungsimpuls. Das Bild verselbständigt sich in seiner Präsenz und tritt uns als Objekt gegenüber. Computer generierte Gebilde, auf denen die farbigen Tafeln beruhen, verweisen auf die Sehnsucht nach einer naturwissenschaftlichen Berechenbarkeit, die Stabilität und Verlässlichkeit verspricht. In dieser Objektivierung scheint für Halmer das Problem einer entfremdeten Weltbeziehung auf.

Doch indem Bildelemente wie Münder oder Handzeichen aus der Comicwelt, die auf die rohen Holzplatten ausgelagert sind, die Leinwandtafeln kommentierend, erzählerisch erweitern, entsteht eine neue, belebte Situation. Flüchtige malerische Gesten auf dem Holz, sowie Spuren der Werktätigkeit, teils durch Eingravierungen, teils mit gemalten Klebestreifen oder Farbabrissen malerisch nachgeahmt, weisen auf eine Prozesshaftigkeit hin, die den Betrachter assoziativ mit dem spielerischen Moment der Bilderfindung in Kontakt bringt. Die jeweilige Beschränkung des Farbraumes auf Gelb-, Rot-, Blau- und Grüntöne, die in den Fenstertönungen eine Antwort finden, lässt bei den Leinwänden an Spielfiguren denken, die die Galerie zum Spielfeld machen.

Im Ausstellungsraum formieren sich die einzelnen Bildwände so zu prototypischen Figuren, die an der Schwelle zwischen entfremdetem Objekt und wesenhaftem Gegenüber stehen. Dieser Schwebezustand, der sich auch aus dem Spiel mit Bedeutung, Eindeutigkeiten und Zerfall derselben ergibt, ist charakteristisch für das Werk Dominik Halmers.

Press release (2017)

ALJIRA, Center for Contemporary Art

Dominik Halmer’s practice centers on the question of how our individual image of “reality” is constructed. Coming from an analytical yet sensual approach to painting, Halmer works with the collision of different realities. In his so-called “semi-functional image-objects,” we find canvases combined with everyday objects. Based on formal analogies, Halmer creates a subtle coherence between painting and objects and transforms their specific function into a poetic state of being. Halmer uses experimental arrangements to explore the relationship between object and depiction, functionality and art. By confronting the traditional concept of painting with pragmatic values and suggesting a playful usage of the artwork, he also undermines ideas of the untouchable exclusivity of art.

"Semi-Athletics" is the title of a series of works integrating equipment from sports. These items, which are already part of a complex set of imagery and values, address the observer in an immediate way by inviting a reflexive mental reaction. By opening an associative space, on a more abstract level, they play with predominant ideas of accomplishment and systems of evaluation within our society.

Press release (2018)

Museum Wiesbaden

Dominik Halmer’s paintings and pictorial objects are based on the idea of connecting painting to real space. In his multifaceted works, three-dimensional objects like wooden rings and balls interact with painted elements and gestures. Different levels of reality, which are connected through visual analogies, collide in a poetic and associative whole. Halmer plays with an internal system of references that suggests a rule-based relationship between canvas painting, object, and spatial sign.

In the installation TERRITORY, which was made especially for Museum Wiesbaden, Dominik Halmer places graphic symbols on the wall that let the individual works play off one another by engaging in a dialogue addressing fundamental ideas about the nature of processes and meaning.

The exhibition room is thus transformed into a dynamic, visual field of experimentation in which the works resemble machines of transformation that inspire the beholder to become intellectually involved. The paintings appear as variables, so to say, in a kind of experiment that allows us to explore questions about the relationship between object and representation, between functionality and artwork.

Press release (2018)

Museum Wiesbaden

Dominik Halmers Bildobjekte stellen die Malerei in einen Zusammenhang, der funktionale Nutzbarkeit suggeriert. Indem das dreidimensionale Objekt und gemalte Elemente über formale Analogien miteinander in Beziehung gesetzt werden, prallen unterschiedliche Realitätsebenen in einer poetisch-assoziativen Einheit aufeinander.

Halmers Bildobjekte basieren auf dem Gedanken einer sich in den Realraum erweiternden Malerei. Dabei wird die Malerei mit pragmatischen Funktionen konfrontiert, die ein Angebot oder eine Herausforderung zur spielerischen Nutzung ausstrahlen. Die Arbeiten sind dabei Teil eines

Versuchsaufbaus, der das Verhältnis von Ding und Abbild, von Funktionalität und Kunstwerk hinterfragt. "Ready-made" Objekte, wie Räder, Griffe oder Bälle verwendet Halmer dabei als "Werkzeuge", um einen  Aktivierungsimpuls bei Betrachter auszulösen. Die Frage nach der eigenen Funktionalität innerhalb eines Systems und den darin zugrunde liegenden Werten wird vor dem Hintergrund einer auf Optimierung ausgerichteten Gesellschaft im Betrachter reaktiviert.

In seinen Rauminstallationen, in denen einzelne  Bildobjekte miteinander in Bezug treten und so ihre Bedeutung erweitern, thematisiert Halmer grundlegende Ideen von Transformation und Sinnhaftigkeit. Die "Bildeinheiten" experimentieren dabei mit einem inneren Referenzsystem, in dem eine direkte Beziehung zwischen Leinwandbild, Objekt und Raumzeichen suggeriert wird. So entsteht ein Erfahrungsraum, der im Betrachter einen mentalen "Teilnahmeimpuls" auslöst.

© 2020 Dominik Halmer / VG Bildkunst, Bonn

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